Biologische Verblendungen

Kennt ihr das, wenn man zu spät ein Thema geraderückt und sich das Gegenüber in die komplett falsche Richtung in Rage redet? So ging es mir letztens im Bioladen:

Ich: “Bitte eine Nussecke und dieses Ding mit den ganz vielen Körnern drauf!”

Bioladen-Verkäuferin: “Nussknacker!”

Ich: “Ja, ich habe nämlich Hunger, muss gleich mit ihm hier zur Rückbildungsgymnastik.”

Bioladen-Verkäuferin: “Ach ja… wie süß… sie stillen?”

Ich: “Na ja, also…”

Bioladen-Verkäuferin: “Ja, Stillen ist super! Da nimmt man toll von ab! Ich habe das Stillen geliebt! Und so praktisch!”

Ich: “Also, ich…”

Bioladen-Verkäuferin: “Wenn ich dagegen diese dicken Muttis sehe, die ihren Kindern lieblos diese Plastiksauger in den Hals schieben, das ist doch furchtbar, finden Sie nicht auch?”

Ich: “Ähm… na ja…”

Bioladen-Verkäuferin: “Kein Wunder, dass die so fett bleiben und auch für die Kinder, Stillen ist einfach das Allerbeste und sehen sie sich doch selbst an, für die Mutter doch auch!”

Ich: “Äh, was macht das?”

Bioladen-Verkäuferin: “3,98 Euro.”

Ich: “Gut. Hier. Auf Wiedersehen…”

Bioladen-Verkäuferin: “Tschüss und viel Spaß noch beim Stillen!”

Grmpf…

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Kreuzberggelaber

War heute in Kreuzberg unterwegs. Alle machen was mit Film und Medien und sind grad irgendwas “so am Schneiden dran” und alle fahren ein altes Rennrad und tragen die Haare im Nacken kurzgeschoren und oben etwas länger, die Gespräche verlaufen so:

“Oh mann, ich muss echt mal woanders ausgehen, so viele Touris hier, das nervt voll!”

“Nee, wir dürfen die Location für das Event nicht zu groß machen, dann wird das Mainstream.”

“Sollen wir die Fördergelder nehmen oder besser nicht?”

“Wir wollen das vielleicht so ganz spießig machen, so mit Storyboard und dass wir da die Bilder zuordnen und so.”

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Spidermemmen

Im Kindergarten herrscht seit Tagen giggelige Vorfreude auf die bevorstehenden Karnevalsfeiertage. Einige Kinder können es kaum erwarten und rennen deshalb jetzt schon jeden Tag vollkostümiert durch die Gruppen. Gestern purzelte es beim Anblick eines solchen Kindes aus mir heraus: “Oh, der Spiderman ist aber etwas untersetzt…” Daraufhin guckten mich Spidermanmutter und Spiderman himself entsetzt an. Merker pour moi: Politisch korrektes Verhalten beginnt im Kindergarten! Keine Witze auf Kosten anderleuts Kinder! Und: Karneval ist nicht witzig!

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Erwachsen werden 1

Woran merkt man, dass man erwachsen wird?

Man abonniert plötzlich den Schöner Wohnen Newsletter!

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Downton Abbey

Liebes J.,

(…)

1912, herrlicher englischer Landsitz, tolle Ausstattung (Kleidung, Mobiliar, Geschirr, Silber, Essen etc.), jede Szene wie Gemälde. Eigentlich passiert auch – bis auf ein paar Intrigen, die man glatt Intrigchen nennen möchte –  nicht sonderlich viel, sondern die Serie mäandert auf einem extrem hohen ästhetischen und schauspielerischen Niveau so dermaßen stilvoll unterhaltsam vor sich hin, dass es fürwahr die allerbeste Entspannung ist, die man sich nach stundenlangen familiären Tischrunden an Weihnachtsabenden nur vorstellen kann!

(…)

Habe nicht zuletzt deswegen in einem Anfall großbürgerlichen Wahnsinns erstmalig unsere gesamten Silberbestände aus diversen Schränken, Kästen und Schubladen hervorgekramt und für Heilig Abend noch glatt blank poliert. So versammelte sich zumindest ein recht kurioses Initialienwirrwarr auf unserem Esstisch.

(…)

Deine U.

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B-Day

Gestern war er endlich da, der B-Day. Der Boden-Tag, genauer, der  ”Auf den Boden schmeiß”-Tag. Weil das Söhnchen seinen Willen nicht bekam, warf er sich kurzerhand  erstmalig vor Opas Kamin theatralisch wimmernd und schwer seufzend zu Boden. Das wiederum sah so ungelenk, unprofessionell und halbherzig aus, dass ich beschloss, ihm erstmal zu zeigen, wie das mit dem “Auf den Boden werfen” richtig geht. “Sieh mal Kind, du darfst dich dabei nicht mit den Händen abstützen und schon gar nicht vorher langsam in die Knie gehen! Und merke: Nur Verlierer liegen gerade! Wimmern ist ja wohl ein absolutes No go!” Und ich warf mich also laut schreiend und kreischend neben ihn auf den Boden, wälzte mich geschickt verkrümmt in der hysterischen Seitenlage, von der aus man nun – je nach Situation und Umfeld (ganz wichtig: Sind alte, solidarische Nörgeldamen Marke:  ”Unmöglich! Nun lassen sie das Kind doch!” – in der Nähe?) weiter entscheiden kann.

Das Söhnchen guckte verdutzt und probierte es schließlich auch, bis es einigermaßen klappte und ich ihm stolz auf die Schulter klopfte. Wir übten in den folgenden Tagen noch folgende Situationen durch: Supermarktkasse, Fleischtheke, Animationspferdchen und im Supermarkt Eigangsbereich. Ich muss sagen,  das Söhnchen hat echt Talent, aber zum professionellen “Auf-den- Boden-Werf-Kind” wird es wohl nicht reichen. Na ja, morgen probieren wir es mal mit Stampfen.

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Schlafstörungen

Facebook wird einem – insbesondere bei schwangerschaftbedingten nächtlichen  Schlafstörungen – zu einem lieben und unterhaltsamen Begleiter:

Sandra: Schlaf? Ich falte Schafe aus Buettenpapier!

Ute: Origamisnob, du!

Sandra : Ute! Mach mit!

Ute: Liebe Sandra, ich kann nicht! Schweres Kindheitstrauma aufgrund frühkindlicher Origami-TV-Episoden: Hübsche, intelligente und fleißige Asiatinnen (Achtung! Gelbe Gefahr schon in den frühen Achtzigern!) zeigen westfälischen Nachwuchsbastlern (mit klobigen Händen vom vielen Kartoffeln sammeln) wo der globale Bastelhammer hängt – entwürdigend! Statt Giraffe, Kranich oder Teufel hatte ich am Ende immer nur Klumpen.

Sandra: Uebrigens hat meine Tochter ein Prickel – Trauma. Ich habe sie aus dem Kindergarten genommen, da ich die Vermutung hatte, dass die Erzieher eines Tages ohne Augen dastehen würden.

Ute: Dazu muss ich sagen, dass ich eine leidenschaftliche Pricklerin war und – statt Fachabi im Origamibusiness – über eine alternative Karriere als Häuschenlaternen-Prickel-Führungskraft nachdachte. Leider sind meine Showcases regelmäßig abgefackelt…

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Baked Beans

Gestern postete ein Freund sein selbstgekochtes englisches Frühstück bei Facebook. Beim
Anblick des Fotos mit Backed Beans erinnerte ich mich an eines meiner absurdesten
Fernseherlebnisse: Bei Alfredissimo bereitete die Schauspielerin Anna Thalbach ein
englisches Frühstück zu. Biolek, zuvorkommend wie immer, stellte zu Beginn der Sendung nonchalant ein paar Fragen und Thalbach schwärmte: “Ich koche sehr gerne für Freunde und tue ihnen damit etwas Gutes. Ich mag es, wenn es den Leuten, die ich gerne habe, gut geht” und sagte Dinge wie “Jeder, der zu mir kommt, bekommt dann mein englisches Frühstück. An diesem Gericht erkennt mich jeder. Wer so ein warmes Frühstück einmal bei mir gegessen hat, kommt auch immer wieder”. Der Zuschauer wartete nunmehr gespannt, mit welcher lukllischen Gaumenfreude Thalbach angesichts dieses aufgebauten Erwartungshorizonts aufwarten würde.
Sofort machte sich Anna Thalbach ans Werk und schwups, ehe Bio sich
versah, standen zwei Dosen Campbell’s Baked Beans auf dem Tresen. Es wurde ein wenig Speck
aus einer Packung gerissen und in der Pfanne angebraten, dazu zwei Spiegeleier und während
die Dosenbohnen in ihrer dicklich, rötlichen Soße im Topf wabernd vor sich hin köchelten (kamera von oben!), versuchte Biolek die Situation zu retten mit Kommentaren wie: “Ah, Oh, ja, interessant! So machen die Engländer das also?”
Angesichts der ganzen Kochshows, in denen sich Otto Normalo neuerdings an den kompliziertesten, aufeinandergestapelten Cremespeisen und unaussprechlichsten Vorspeisen in den wildesten Kombinationen versucht, war Thalbachs “Way of Basic Cooking” eigentlich gar nicht so verkehrt, Reduce to the max! Das ist es, was die Frauen und Mütter von heute wirklich brauchen: Dose auf, Maul auf, Freunde satt! Glück kann so einfach sein!

Gestern postete ein Freund sein selbstgekochtes englisches Frühstück bei Facebook. Beim Anblick des Fotos mit Baked Beans erinnerte ich mich an eines meiner absurdesten Fernseherlebnisse: Bei Alfredissimo bereitete die Schauspielerin Anna Thalbach ein englisches Frühstück zu. Biolek, zuvorkommend wie immer, stellte zu Beginn der Sendung nonchalant ein paar Fragen und Thalbach schwärmte: “Ich koche sehr gerne für Freunde und tue ihnen damit etwas Gutes. Ich mag es, wenn es den Leuten, die ich gerne habe, gut geht” und sagte Dinge wie “Jeder, der zu mir kommt, bekommt dann mein englisches Frühstück. An diesem Gericht erkennt mich jeder. Wer so ein warmes Frühstück einmal bei mir gegessen hat, kommt auch immer wieder”. Der Zuschauer wartete nunmehr gespannt, mit welcher lukullischen englischen (Achtung: contradictio in adiecto)  Sensation Thalbach angesichts dieses aufgebauten Erwartungshorizonts aufwarten würde.

Sofort machte sich Anna Thalbach ans Werk und schwups, ehe Bio sich versah, standen zwei Dosen Campbell’s Baked Beans auf dem Tresen. Es wurde ein wenig Speck aus einer Packung gerissen und in der Pfanne angebraten, dazu zwei Spiegeleier und während die Dosenbohnen in ihrer dicklich, rötlichen Soße im Topf wabernd vor sich hin köchelten (Kamera von oben!), versuchte Biolek die Situation zu retten mit Kommentaren wie: “Mhhhh, ah, oooooh, ja, interessant! So machen das die Engländer also?” als sei die Entdeckung der Dose ein Meilenstein im Gault Millau neumodischer Gourmettrends.

Das war 2008. Angesichts des Unwesens an TV-Kochshows, in denen sich Otto Normalo auf kosten der GEZ neuerdings an den kompliziertesten, aufeinandergestapelten Cremespeisen (möglichst im dickbauchigen Weinglas serviert!) und unaussprechlichsten Vorspeisen (hui, das ist aber toll dekoriert!) in den wildesten Kombinationen versucht, war Thalbachs “way of (very) basic cooking” eigentlich gar nicht so verkehrt, reduce to the max! Das ist es, was die Frauen und Mütter von heute wirklich brauchen: Dose auf, Maul auf, Freunde satt! Glück kann so einfach sein!

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Kiffertalk

Das Schöne am Internet ist ja der Zufall. Ein falscher Klick und du landest in einer dir völlig fremden Welt. Auf der Suche nach einem Rezept für Kohlrabi in Mehlschwitze, bin ich auf der Seite Kiffertalk gelandet. Schon interessant, was andere Menschen so bewegt: “Kann man Bonsais rauchen?” “Kiffermusik: Die Top Ten” oder die lustigsten Kifferspiele.  Zum Beispiel das Penis-Spiel, das mit 4.444 Klicks zu den beliebtesten Kifferspielen gehört:  Statt eines Namens, setzt man bei einem Filmtitel einfach das Wort Penis ein. Das ist voll lustig: “Herr der Penisse”, “V wie Penis”, “Die fetten Penisse sind vorbei”,  ”Ein Penis kommt selten allein” und so weiter. ich frage mich, ist das also der berühmte kreative Kick beim Kiffen? Von wegen Bewusstseinserweiterung und so? Wow!

Kiffertalk empfiehlt mir, meine Muskatnuss für die Kohlrabimehlschwitze nicht zu rauchen (”schmeck scheußlich”). Das ist natürlich blöd, wo ich doch gerade das Pfeifchen des Stutenkerls damit gestopft hatte…

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O Kackibaum

Na super,  während andere Kinder fleißig Weihnachtsgedichte einstudieren, hat unser Söhnchen drei Wochen vor Heilig Abend die Fäkalsprache entdeckt und alles ist jetzt entweder Pupsi, Kacki oder Pippi. Da kommt der Pupsilaus ins Kackihaus, dann kommt das Pippi raus – ha, ha, ha! Und aus dem Kinderzimmer schallt es nach ausgiebigem Textstudium der letzten Wochen laut: “O Kackibaum, O Kackibaum…”

Aber wie ich in Internetforen gelesen habe, ist das ganz normal für ein Kindergartenkind, eine anarchistische Phase eben.  Frei nach dem Motto Anpassung statt Ausgrenzung lassen wir als moderne und aufgeschlossene Eltern der kreativen Ader unseres  Söhnchens freien Lauf und stimmen fröhlich mit ein, wenn es heißt:

Kackige Nacht, Kackige Nacht,
Pupsi Furz, Kotzi Schnurz,
rotzig sabbernde AA-Pracht!
Stinkikacki in Windel gemacht!
Nase voll! Oh, wie toll,
jauchzt es laut von nah und fern,
Rotzeangeln haben wir gern!
Benglein brüllt Hallelujah,
Popel ist endlich da!

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